WM 2011 DEUTSCHE MANNSCHAFT
Bajramaj-Berater Ness in Interview
»Eine solche Spielerin sollte spielen«
25.06.2011 | Text: Roland Wiedemann
Wenn es zuletzt hieß, Lira Bajramaj sei fremdbestimmt, war das eine Spitze gegen Dietmar Ness. Hier spricht der Berater über den umstrittenen Wechsel von Potsdam nach Frankfurt und Bajramajs Kampf um einen Stammplatz bei der WM.
Herr Ness, nur noch wenige Stunden bis zum Start der Frauenfußball-WM. Sind Sie schon ein wenig aufgeregt?
Dietmar Ness: Die Spannung steigt. Man hat ja lange auf dieses Ereignis hingearbeitet. Die WM ist eine Megachance für den Frauenfußball.
Vielleicht sind Sie auch nervös, weil die von Ihnen beratene Lira Bajramaj um ihren Platz in der Startformation der DFB-Elf zittern muss.
Dietmar Ness: Lira hat in den vergangenen zwei Jahren auf Weltklasseniveau gespielt. Normalerweise denkt man schon, dass eine solche Spielerin von Beginn an spielen sollte.
Nationaltrainerin Silvia Neid sieht das anders und findet, dass Lira Bajramaj bei den vielen Medien- und Werbeauftritten „die Leichtigkeit des Seins“ abhandengekommen sei.
Dietmar Ness: Lira ist fit und ausgeruht. Sie hat sich sehr professionell vorbereitet und darauf geachtet,
die Ruhephasen und an ihren freien Tagen das Trainingsprogramm der Bundestrainerin einzuhalten. Den Eindruck, dass sie zu viele Medien- und Sponsorentermine hatte, kann ich nicht bestätigen. Wir haben sehr stark darauf geachtet, es in einem akzeptablen Rahmen zu halten. Die meisten Anfragen wurden abgesagt, die meisten Verpflichtungen aus Sponsorenverträgen vor Beginn der WM-Lehrgänge abgearbeitet. Lediglich drei Termine von Nike und der Allianz wurden seit Beginn der Vorbereitung durchgeführt. Und was die Medien angeht, hat in meinen Augen jede Spielerin die Pflicht, sich den Fragen der Journalisten zu stellen, auch zum Wohle der ganzen Sportart. Man muss nicht jedes Interview geben, darf sich aber auf keinen Fall verstecken. Ich wiederhole mich, die WM ist eine Megachance für den Frauenfußball, die es zu nützen gilt.
Warum stürzen sich alle gerade auf Lira Bajramaj?
Dietmar Ness: Ich denke, das hat mehrere Gründe. Zum einen wurde Lira schon vom DFB für die WM-Bewerbung eingesetzt, zum anderen ist sie ein sehr offener, sympathischer Typ. Sie gibt gerne Interviews, auch aus der Verantwortung heraus für den Frauenfußball. Dazu kommt ihre Geschichte als Flüchtlingskind und das Thema Integration, das dem DFB ja auch sehr am Herzen liegt. Lira ist einfach ein besonderer Typ, der sehr viel zu sagen hat. Und dann ist da natürlich auch ihre Attraktivität als Frau.
Fußball-Model, Glamourgirl – ein Image, das Bajramaj anhaftet, gegen das sie sich aber inzwischen zu wehren versucht.
Dietmar Ness: Es ist doch völlig normal, dass junge Frauen auf ihr Äußeres achten. Das machen auch berufstätige Frauen, bevor sie an ihren Arbeitsplatz gehen. Lira ist aber Fußballerin und kein Model. Sie hat die Champions League gewonnen und ist Weltmeisterin. Und dafür waren nicht ihre roten Fingernägel ausschlaggebend, über die jetzt so häufig geschrieben und gesprochen wird.
Irgendwie scheint Ihre Spielerin in einer Imagefalle zu sitzen. Wie können Sie ihr helfen, da wieder herauszukommen?
Dietmar Ness: Lira ist sehr professionell und hat ein tolles familiäres Umfeld. Sie weiß damit umzugehen. Aber ich stehe ihr natürlich jederzeit zur Seite, wenn sie es wünscht. Die Attraktivität ist sicher eine Säule von Liras Popularität. Hübsch zu sein, ist ein Geschenk für eine junge Frau. Aber für Lira ist Fußball das Wichtigste, er steht an Nummer eins.